80 Jahre Sparkassenfiliale Betheleck

von Christoph Kaleschke am in Allgemein, Gut für Bielefeld, Über uns

Unsere Filiale „Betheleck“ wird in diesen Tagen 80 Jahre alt. Am 30. April 1936 nahm die „Zweigstelle Gadderbaum-Bethel“ der damaligen Kreis-Sparkasse Bielefeld ihren Betrieb in der Verkaufsstelle der Betheler Webschule am Kantensiek Nr. 7 auf. Die Geschichte des „Sparens in Bethel“ ist aber deutlich älter. Und sie hat sehr viel mit der Geschichte der „Von Bodelschwingschen Stiftungen Bethel“ zu tun.

 

Friedrich von Bodelschwingh, der 1872 zum „Vorsteher der Anstalt für Epileptische“ und Leiter der Diakonissenanstalt in Gadderbaum berufen wurde, war eine außergewöhnliche Person in der Bielefelder Geschichte. Selten hat eine Einzelperson der Stadt und besonders einem Stadtteil so sehr ihren Stempel aufgedrückt, wie von Bodelschwingh es getan hat. Über ihn, den Seelsorger, Anstaltsleiter, sozialen Unternehmer und Vorreiter für einen menschenwürdigen Umgang mit Kranken und Behinderten, könnte man vieles erzählen. Dafür ist hier nicht der Platz. Wenn man in manchen Kreisen früher oft von „Bielefeld bei Bethel“ sprach, dann ist das ihm zu verdanken. Viele Bielefelder wissen, dass er zahlreiche Einrichtungen gründete, die auch heute noch existieren, zum Beispiel die bekannte Brockensammlung.

 

Was aber nur die Wenigsten wissen werden ist, dass er auch eine Sparkasse gründete. 1885 riefen die Anstalten in Bethel eine eigene „Anstaltssparkasse“ ins Leben. Sie sollte „den Eingesessenen … Gelegenheit geben, ihre Ersparnisse sicher und gegen Zinsen anzulegen, auch Darlehn gegen Sicherheit zu erhalten“. Kunden waren in erster Linie die Angestellten der Anstalten und Bürger „im Amte Gadderbaum“, das zum damaligen Landkreis Bielefeld gehörte. Die Sparkasse diente aber auch dazu, der Anstalt eine günstige Finanzierungsquelle zu erschließen, denn sie vergab auch Kredite für von Bodelschwinghs vielfältige Bauprojekte.

 

Die Kreis-Sparkasse Bielefeld, in deren Geschäftsgebiet die neue Sparkasse gegründet wurde, sah die neue Einrichtung durchaus kritisch und als Konkurrenz. Deshalb eröffnete sie 1896 im Haus des Kaufmanns Emil Kobusch an der Gütersloher Straße in Gadderbaum eine sogenannte „Nebenrendantur“. Nebenamtlich nahm Kobusch im Auftrag der Sparkasse Spargelder an und zahlte sie auch wieder aus. Eine echte Erfolgsstory waren diese nebenamtlichen Sparstellen, die auch in anderen Ortschaften im Kreis in Gaststätten und Kaufläden entstanden, aber nicht. Seit Anfang der 1920er Jahre wurden sie daher durch echte Zweigstellen ersetzt.

 

Die Betheler Anstaltssparkasse hingegen war durchaus erfolgreich und überstand auch den Ersten Weltkrieg und die nachfolgende Inflationszeit vergleichsweise unbeschadet. Ihr Ende kam dann aber mit dem neuen Kreditwesengesetz von 1934, das die nationalsozialistische Reichsregierung als Folge der Bankenkrise von 1931 erlassen hatte. Dieses Gesetz sah die Auflösung aller „Werkssparkassen“ bis Ende 1940 vor. Davon war auch die Anstaltssparkasse Bethel betroffen.

 

Am Kantensiek eröffnete die Kreis-Sparkasse am 30. April 1936 ihre Zweigstelle "Gadderbaum/Bethel".

Am Kantensiek eröffnete die Kreis-Sparkasse am 30. April 1936 ihre Zweigstelle „Gadderbaum-Bethel“.

Man kam daher überein, dass die Anstaltssparkasse auf die Kreis-Sparkasse Bielefeld übertragen werden sollte. Eine der Bedingungen hierfür war, dass die Kreis-Sparkasse sich bereit erklärte, in Gadderbaum eine Zweigstelle zu errichten. Die Anstaltssparkasse wurde zum 1. April 1936 Teil der Kreis-Sparkasse, die Zweigstelle öffnete am 30. April 1936 am Kantensiek ihre Türen für die Kunden aus Gadderbaum und Bethel.

 

Den Zweiten Weltkrieg überstand sie ohne Schäden. Im Zuge des Wirtschaftswunders entwickelte sie sich dann zu einer der großen Zweigstellen der Kreis-Sparkasse.

 

1956 zog die "Zweigstelle VI" erstmals um. Im Stil der Zeit wurde ein Anbau an das erste Zweigstellengebäude errichtet.

1956 zog die „Zweigstelle VI“ erstmals um. Im Stil der Zeit wurde ein Anbau an das erste Zweigstellengebäude errichtet.

1956 zog sie an den Kantensiek Nr. 6 um, wurde ausgebaut und erweitert. Kuriosum: Die Grenze zwischen dem „Stadtkreis Bielefeld“ und dem „Landkreis Bielefeld“ verlief zu dieser Zeit mitten durch die Schalterhalle.

 

Auch die Stadt-Sparkasse Bielefeld errichtete 1936 eine Zweigstelle in Gadderbaum an der Gütersloher Straße. Nach der Fusion der drei Bielefelder Sparkassen im Jahr 1974 wurde sie 1976 mit der Filiale am Kantensiek vereinigt. Diese war 1972 an ihren heutigen Standort umgezogen und wurde seitdem mehrfach renoviert und umgebaut.

 

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Kristine Fidler und ihr Team beraten und betreuen unsere Kundinnen und Kunden kompetent am „Betheleck“.

Heute sind in der Filiale „Am Betheleck“ 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Während 1936 vor allem das Spargeschäft im Mittelpunkt stand, bietet das engagierte Team um Filialleiterin Kristine Fidler seinen Kunden heute den Service einer modernen Sparkassenfiliale. Neben kompetenter persönlicher Beratung rund um die Themen Geldanlage, Finanzierungen, Bausparen und Versicherungen, können unsere Kunden in der Filiale ein umfassendes Selbstbedienungsangebot nutzen.

 

Und doch ist unsere Filiale „Am Betheleck“ für uns keine Filiale wie alle anderen auch. Ihre Lage und ihre Nähe zu den von Bodelschwingschen Stiftungen machen sie zu etwas Besonderem. Dies kann man zum Beispiel am bekannten „Bethelgeld“ spüren, das Bewohner und Angehörige der Stiftungen in der Filiale erhalten und eintauschen können. Mit diesen Warengutscheinen kann bis heute in zahlreichen Geschäften in Gadderbaum bezahlt werden.

 

Bielefeld hat viele gute und lebendige Traditionen. Eine davon sind wir. In Bethel kann man das hautnah spüren.

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